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Kaufkraft und Konkurrenz: Was IKEA mit sich bringt
Die Ansiedelung von IKEA in Dornbirn wird laut einem Gutachten Millionen an Kaufkraft ins Land bringen. Profitieren werde auch der benachbarte Messepark. Die Möbelhäuser in der Nähe müssen sich hingegen auf einen weiteren Konkurrenzkampf einstellen – und das in einer Zeit, die wirtschaftlich ohnehin nicht leicht ist, heißt es in der Wirtschaftskammer.
Spatenstich für den Umbau des Messeparks
Der Spatenstich für den Umbau des Messeparks ist ist seit Donnerstag vollzogen, jetzt folgt die erste Bauetappe. Das Gelände wird zur Großbaustelle – auch auf der gegenüberliegenden Straßenseite fahren bald die Bagger auf. Im alten Kika-Gebäude wird sich nämlich der schwedische Möbelkonzern IKEA niederlassen. Und dieser wird nicht nur dem Messepark mehr Umsatz bringen, sondern außerdem viel Geld in Vorarlberg halten.
Millionen aus Vorarlberg nach St. Gallen
So viel steht fest und das hat auch schon eine Analyse vor einigen Jahren gezeigt. Gutachter war Roland Murauer vom Handelsforschungsunternehmen Cima. Und er betont: Geld, das bisher zum IKEA-Standort in St. Gallen geflossen ist, bleibt mit der Eröffnung eines neuen Standortes in Dornbirn zukünftig im Land. Dabei geht es um rund 12,5 Millionen Euro. „Man kann davon ausgehen, dass man den größten Teil diese Betrags in Vorarlberg behält.“
Jenes Gutachten, das Murauer vor einigen Jahren erstellt hat, drehte sich um einen neuen IKEA-Standort in Lustenau. Was die Kaufkraft betrifft, wird sich mit einem Standort Dornbirn im Vergleich zu Lustenau nichts ändern. Vorteile hat der neue Standort aber insofern, dass keine Fläche versiegelt werden muss, weil IKEA in das alte Kika-Gebäude einziehen wird.
Messepark wird profitieren
Und: Auch der Messepark werde profitieren. Da sich der IKEA-Standort in unmittelbarer Nähe befinde, werde dieser auch den Geschäften im Messepark mehr Kaufkraft bescheren. Das heißt: Es gibt bei gleichbleibenden Rahmenbedingungen mehr Umsatz. Denn IKEA sorgt sozusagen für zusätzliche Laufkundschaft im Messepark. „Ich gehe zu IKEA einkaufen und denke mir: Der Messepark ist gleich nebenan. Ich habe zwar nicht geplant dorthin zu gehen, aber ich schaue schnell vorbei“, umschreibt es Murauer. Das könne unterm Strich zwei bis drei Prozent mehr Umsatz bringen.
Gutachter: Wenig Auswirkungen auf Innenstadt
Für die Innenstädte wird der IKEA-Standort kaum Auswirkungen haben, hält der Studienautor fest. „Das haben wir auch damals berechnet.“ Da gehe es um einen Umsatzverlust von einem oder zwei Prozent. „Einzelne Branchen trifft es härter, zum Beispiel die Glas-Porzellan-Keramik-Branche, aber gesamtheitlich gesehen ist es nicht so, dass durch eine Ikea-Ansiedelung die Innenstadt den Bach runter geht.“
Branchensprecher: Kuchen wird eher kleiner als größer
Für die heimische Möbelbranche kann die IKEA-Ansiedlung hingegen zur Herausforderung werden. Harald Künzle, Branchensprecher des Möbelhandels in der Vorarlberger Wirtschaftskammer, rechnet zwar nicht damit, dass andere Möbelhäuser in ihrer Existenz bedroht sind. Schließlich sei am künftigen IKEA-Standort bereits zuvor mit Kika ein Einrichtungshaus gewesen und IKEA gebe es bereits schon in Reichweite – in St. Gallen, Innsbruck und Ulm und auch online. Zudem handle es sich um einen vergleichsweise kleinen IKEA-Standort.
Aber: Den Kampf um die Kunden werde die Ansiedlung verschärfen, sagt Künzle. Der „Kuchen wird nicht größer – er wird eher kleiner, weil die Leute derzeit eher weniger in ihre Einrichtung investieren“, verweist Künzle auf die Wirtschaftslage, die Folgen der Inflation und die damit verbundene Situation der Branche.
„Die Hausaufgaben machen“
Der Herausforderung stellen müssten sich vor allem die Möbelanbieter, die auf das gleiche, eher Preis/Leistungs-orientierte Segment abzielen wie IKEA und sich im gleichen Einzugsgebiet befinden würden. „Diese müssen ihre Hausaufgaben machen – vor allem, was Kundendienst, Beratung und maßgeschneiderte Angebote angeht.“ Jeder Wettbewerber mache es schwieriger, so Künzle.
Von der IKEA-Ansiedlung seien auch nicht nur die Möbelanbieter betroffen, sondern auch Küchenstudios, Deko-Läden und Restaurants, so der Wirtschaftskammer-Vertreter. Mit einer wachsenden Kundschaft aus dem Ausland auch für andere Möbelhändler rechnet Künzle nicht: „Wer zu IKEA fährt, fährt zu IKEA und weiß, was ihn erwartet“. Profitieren vom Standort würden dann eher andere Branchen und vor allem der Messepark. Auch Künzle betont, dass die IKEA-Ansiedlung insgesamt Kaufkraft ins Land bringe und für Arbeitsplätze sorge – und daher viel Positives bringe. Aber man müsse das eben auch differenziert betrachten, so Künzle.
Regio Bregenzerwald: Andere Kundschaft
Bei den regionalen Wirtschaftsgemeinschaften sieht man die IKEA-Ansiedelung gelassen. Denn: Möbelhaus sei nicht gleich Möbelhaus, sagt zum Beispiel Bianca Moosbrugger-Petter, Obfrau der Regio Bregenzerwald. Sie betont, dass sich die Produkte von regionalen Handwerkern und Möbelhäusern klar abheben würden und dass sich die Käuferinnen und Käufer auch bewusst für solche Produkte entscheiden. Abseits dessen habe man IKEA in der Regio noch gar nicht thematisiert.
Region am Kumma hofft auf „Abstecher“
Clemens Seewald, Obmann der Initiative „Wirtschaft am Kumma“, hat sich bereits mit den Betrieben in der Region ausgetauscht, die möglicherweise von einem IKEA im Land betroffen wären – also jene, die mit Möbeln oder Einrichtungsgegenständen handeln. „Ich war selbst überrascht, dass sie dem Ganzen eher positiv gegenüberstehen, weil wir in unserer Region keine große Handelsgeschäfte diesbezüglich haben, sondern sehr hoch spezialisierte Betriebe. Und sie scheuen die Konkurrenz nicht.“
Im Gegenteil: So ein großes Einkaufshaus könne ja auch ermöglichen, dass viele nach Vorarlberg reisen, um einzukaufen. „Dann liegt es an uns, unsere Stärken auszubauen, dass man vielleicht noch einen ´Abstecher´ in die Region am Kumma macht.“
Seewald will sich auf das Positive konzentrieren, sowohl was den neuen IKEA-Standort als auch die Messepark-Erweiterung betrifft. „Es ist positiv, dass es Unternehmen gibt, die bereit sind, ins Risiko zu gehen, die Mut haben zum Wandel und die bereit sind, zu investieren.“ Auch in der Kumma-Region gebe es zahlreiche Betriebe, die sehr viel Geld in die Hand nehmen, um in ihre Standorte zu investieren.
Quelle Text und Bild:
https://vorarlberg.orf.at/stories/3349299/
Birgit Entner-Gerhold/Doreen Blum, vorarlberg.ORF.at